GA (23.07.): BAP beim TuS-Jubiläum
Statt Ständchen gab´s ein Rockkonzert
Kölner Kult-Gruppe BAP spielte beim Jubiläum des TuS Asbach - Perfekte Organisation im Vorfeld bescherte Band und 1 200 Besuchern tollen Abend
Von Bernd Humpert
Asbach. Die einen bekommen zum Geburtstag ein Ständchen - die anderen ein Rockkonzert. Die anderen sind in diesem Fall der TuS Asbach, der in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen feiert und den vorausgegangenen Feierlichkeiten am Samstag das Sahnehäubchen aufsetzte. Keine geringere als die Kölner Kult-Rockband BAP ließ die Asbacher Eissporthalle im Nu zu einem brodelnden Hexenkessel werden.
Seit Mai 2006 hatte der TuS Asbach am Festprogramm gearbeitet, vieles geplant, verworfen und manches realisiert, jetzt der absolute Höhepunkt. Seit Tagen waren unzählige Helfer damit beschäftigt, die Eissporthalle für den Mega-Event herzurichten. Das Eis musste entfernt werden, die Bühne aufgebaut, die Zelte für Speisen und Getränke hergerichtet sein, Strom, Wasser, an alles wurde akribisch gedacht.
Der komplette Vorstand um Vereinschef Franz Varell war eingebunden, die Volleyball-Abteilung kümmerte sich ums Catering, die Alten Herren besorgten den Hallenumbau, und seit drei Tagen hatten alle ein mehr oder minder größeres Kribbeln im Bauch, je näher der BAP-Auftritt rückte.
Schlag 19 Uhr war es dann soweit. Die Hallentore öffneten sich und die Fans strömten. Rund drei Stunden Stehen war angesagt, aber das stört einen echten Fan wenig. Kurze Begrüßung durch TuS-Chef Franz Varel, dann stürmen die fünf Musiker Werner Kopal (Bass), Michael Nass (Keyboards), Helmut Krumminga (Gitarre), Jürgen Zöller (Schlagzeug) und Frontman Wolfgang Niedecken die Bühne. Es gab es kein Halten mehr.
Begrüßungspfiffe, in die Höhe gestreckte Arme, eine wogende Menschenmenge - die Begeisterung kannte bereits vor dem ersten Ton keine Grenzen. Es treffe sich gut, so Niedecken, dass man heute in Asbach den 125. Geburtstag des TuS feiere. Da könne er mit seiner Band gleich mitfeiern, denn sie sei schließlich im Vorjahr 30 Jahre alt geworden. 1976 habe noch keiner daran gedacht, einmal so weit vorne zu stehen, es sei eher darum gegangen, "einen Kasten Bier leer zu proben". Dass daraus dreimal zehn Jahre Erfolgsgeschichte werden würden, habe keiner für möglich gehalten.
"Dreimohl zehn Johre, wo sinn die all hin" ist denn auch der Prolog des Jubiläums-Albums, mit diesem Titel lässt BAP seine Geschichte Revue passieren. Doch es bedarf nicht viel, um das Erinnerungsvermögen des Publikums wachzurütteln. Kaum sind die ersten Takte und Akkorde angespielt, tönt es aus dem Publikum lautstark zur Bühne zurück. "Ahl Männer", "Alexandra", "Tanger", es war, als hätten die Asbacher und ihre Gäste aus Nah und Fern ihr Leben nichts anderes getan als BAP-Songs zu singen.
Dass BAP nach 30 Jahren immer noch innovativ ist, zeigte sich in einer kleinen Premiere: Vor vielen Jahren, so Wolfgang Niedecken, als man noch die Songs anderer coverte, habe er mit seiner damaligen Besetzung in einem Tonstudio in Hersel gesessen und immer wieder so vier, fünf Akkorde gespielt. Was wäre es schön, wenn jetzt eine Geigerin dabei wäre, habe er geträumt. Und siehe da: Beim Konzert in Asbach wird dieser Traum Wirklichkeit. Die junge Geigerin Anne de Wolf kommt auf die Bühne und zaubert auf ihrer Violine wahre Rock-Explosionen.
Doch BAP wäre nicht BAP, wenn die Band nicht auch ihre politisch-zeitkritischen Songs im Programm hätte. "Kristallnaach" und vor allem den Hit gegen Rechtsradikalismus und Neo-Nazis: "Arsch huh, Zäng ussenander". BAP konnte spielen, was sie wollten. Die Asbacher ließen ihrer Begeisterung freien Lauf. So Bürgermeister Helmut Reith (CDU), der mit seinem Stellvertreter und SPD-Fraktionschef Wolfgang Behr gekommen war: "Ein fantastischer Abend für Asbach."
Selbstredend, dass die Kölner nicht ohne Zugaben von der Bühne kamen. "Ich han noch jet verjesse", meinte Niedecken und intonierte einen der größten BAP-Hits: "Verdamp lang her". Bei "Bliev wie de bess" dirigierte er die Halle: Alle zusammen, dann die Damen, dann die Herren. Die Band beschränkte sich aufs Spielen. "Dat hätt ich nit jedaach. Wir waren in Asbach, und der Sänger kann sich ausruhen", so der Frontman. Und dann die Worte: "Et wor schön." Stimmt.