TUS 1882 Asbach

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Fußballpionierin Anita Prangenberg
Asbacher Fußballpionierinnen bereiten Weg

Womit die ersten Kickerinnen in den 70ern zu kämpfen hatten – Jetzt entsteht ein neues Team


Beim TuS Asbach erwacht gerade der Frauenfußball aus dem Dornröschenschlaf: D-Jugend-Trainerin Chiara Eckloff setzt sich dafür ein, eine neue Mädchenmannschaft aufzustellen – durchaus bereits mit gewissem Erfolg. Dabei hat der Frauenfußball in Asbach jede Menge Tradition. Ein Blick zurück in eine Zeit, in der vieles anders war.

Anita Prangenberg kann lebhaft und fesselnd aus den 70er-Jahren erzählen, als in Asbach die ersten Frauen kickten. Das war damals alles andere als gewöhnlich: Dass Frauen im Verein Fußball spielen durften, war erst ab 1970 erlaubt. Nachdem das Verbot des DFB gekippt war, sind die Frauen jedoch nicht sofort auf den Platz gestürmt: „Man musste sich erst mal trauen“, erinnert sich Prangenberg, die in diesem Jahr für 50 Jahre Mitgliedschaft im TuS Asbach mit der goldenen Ehrennadel geehrt wurde.

Den Anstoß für den Zusammenschluss einer Damenmannschaft beim TuS gab damals Elisabeth Grendel. Sie war auch eine der ersten weiblichen Schiedsrichterinnen, erzählt Prangenberg. Das Team setzte sich aus den Asbacher Funken zusammen. „Im Nachhinein hatten wir dann schnell eine Truppe zusammen“, berichtet die Pionierin, schränkt aber auch ein: „Viele Mädchen haben das anfangs aber auch nicht so ernst genommen.“ Prangenberg erinnert sich etwa lachend daran, wie einige Frauen der Mannschaft bei Regen in Badekappen zum Training erschienen, um sich die Frisuren nicht zu ruinieren. „Später haben wir das aber richtig gemacht, da wurde auch zweimal in der Woche trainiert.“

Doch auch die Zuschauer haben es den Damen damals nicht immer leicht gemacht: „Unsere Spiele liefen sonntagvormittags so nebenbei, aber manchmal kamen die Zuschauer der Herrenmannschaften schon früher. Die haben dann blöde Sprüche gelassen“, erzählt die ehemalige Fußballerin. „Wir wurden sehr belächelt.“ Prangenberg weiß, dass sich die Zeiten geändert haben – zum Glück: „Heute würde man sagen, das war diskriminierend. Die haben uns schon ins Lächerliche gezogen.“

Einen Trainer zu finden, war für die Damenmannschaft damals auch nicht schwer. „Unser Trainer kam aber nur zum Training. Nie zu den Spielen“, lacht Prangenberg und berichtet. Dabei gab es einige Duelle – glücklicherweise: „Denn wenn du keine Spiele hast, ist es schwer, die Leute bei der Stange zu halten. Aber damit hatten wir gar kein Problem. Wir haben den hohen Westerwald schön abgegrast“, erzählt sie lachend. Die Frauenmannschaft ist damals im Milchwagen von Elisabeth Grendel zu den Spielen gefahren: „Es hat immer nach saurer Milch gestunken, und uns war schlecht. Aber es war eine tolle Zeit.“

Prangenbergs Familie hat hinter ihr gestanden. „Meine Familie war sowieso immer fußballbegeistert. Ich habe drei Brüder, die alle Fußball gespielt haben, mein Papa war sogar Linienrichter.“ Auch ihre jüngere Schwester Hildegard hat kurzzeitig mitgekickt. Und auch Ehemann Willi Prangenberg hat sie auf dem Spielfeld unterstützt: „Ich habe 1970 angefangen und 1972 geheiratet. Mein Mann war danach jeden Sonntag auf dem Sportplatz.“

Als 1974 dann das Haus der jungen Familie in Ehrenberg gebaut werden sollte, wollte Prangenberg ihren Mann unterstützen und dafür das Training aussetzen. „Die Mädchen sagten aber: Nein! Und kamen einmal die Woche vorbei, um mitzuhelfen, damit ich noch beim Training dabei sein kann.“

Als dann Prangenbergs Kinder auf dem Weg waren, musste sie mit dem Fußballspielen aufhören. Doch sie blieb weiterhin sehr engagierte Zuschauerin. „Wir haben unseren Sonntag danach ausgerichtet: Wo spielen die Jungs?“, berichtet die Ex-Fußballerin. Auch bei allen Auswärtsspielen war die junge Familie dabei.

Heutzutage gibt es beim TuS Asbach keine Frauenmannschaften mehr – das möchte Chiara Eckloff gemeinsam mit einigen Mitstreiterinnen ändern. Sie hat selbst bei den Bambinis des TuS Asbach angefangen und trainiert jetzt die D-Jugend. Neuerdings stellte sie fest, dass auch mehr Mädchen wieder Fußball spielen wollen. „Im März hatten wir dann zum Probetraining eingeladen, und mehr als 25 Mädchen waren dabei. Das haben wir nicht gedacht.“

Michelle Mohr übernimmt nun einmal die Woche das Training, an dem regelmäßig mindestens 15 Mädchen teilnehmen. „Zur neuen Saison können wir dann sehr wahrscheinlich eine neue Mannschaft melden“, blickt Eckloff voraus. Das Training ist allerdings noch anders wie bei den Jungs, verrät sie. „Viele haben noch nie Fußball gespielt oder geguckt. Da müssen erst mal die Grundlagen erklärt werden.“ Von den Jungs im gleichen Alter wird die neue Mannschaft gut aufgenommen – das liegt an den anerkannten Sportlerinnen, die sich kümmern: „Ich glaube, es wurde aber auch die erste Hürde damit genommen, dass die Jungs von mir und Michelle trainiert werden.“ Die Zeiten haben sich eben wirklich geändert.

Sophia Buslei (RZ v. 07.06.22)

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10.06.2022 11:39:29
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