RZ-Interview mit TuS-Vorsitzenden
Einer der Köpfe im Dreigestirn fehlt noch
Im Gespräch mit der Rhein-Zeitung blickt Karl Meidl zurück auf 24 Jahre als Vorsitzender des TuS Asbach - Nachfolger gefunden, Schatzmeister gesucht24 Jahre hat er sich in den Dienst des TuS Asbach gestellt. Jetzt tritt Karl Meidl ab und sucht noch immer nach einem Nachfolger. Im Gespräch mit der Rhein-Zeitung blickt er zurück auf ein Vierteljahrhundet seines Sportlerlebens. Und er verrät, dass er längst einen Nachfolger in der Hinterhand hat. Was fehlt, ist ein geeigneter Schatzmeister.
ASBACH. Die Stille bei der Jahreshauptversammlung seines Vereins, die hat ihn schon persönlich enttäuscht, sagt Karl Meidl. Als er zusammen mit Wahlleiter Robert Marnett in den gut gefüllten Saal des Bürgerhauses in Asbach schaute und kein Mitglied des TuS seine Hand hob, um die Verantwortung für den Verein zu übernehmen. "Ich würde es als blamabel bezeichnen", sagt Meidl im Gespräch mit der Rhein-Zeitung.
Und die schon seit einem Jahr schwelende Diskussion um seine Nachfolge als Vorsitzender des 900 Mitglieder starken Vereins - auch die hat ihn gewurmt, gibt er zu. Zu lange haben viele im Verein aus seiner Sicht das Problem auf die lange Bank geschoben. "Die Mitglieder haben das nicht ernst genug genommen. Erst wenige Tage vor der Versammlung haben Nächte lang Gespräche stattgefunden. Das war einfach zu spät", kritisiert er.
Von Krise keine Rede
Doch Meidl, der nach seinem 24-jährigen Engagement an der TuS-Spitze einen Schlussstrich ziehen will, hat auch Verständnis für seine Sportskameraden: "Wer will schon gerne in meine Fußstapfen treten?" fragt er ohne einen Anflug von Eitelkeit. Vor allem verbirgt sich hinter der Personaldebatte aus seiner Sicht aber ein gesellschaftliches Problem. Sich spontan und für kurze Zeit für eine Sache einsetzen, dafür ließen sich immer noch viele begeistern. Aber: "Es gibt immer weniger, die sich über einen längeren Zeitraum ehrenamtlich engagieren wollen."
Dabei hat der 63-jährige Pädagoge die Fußstapfen für seinen Nachfolger längst gestutzt. Meidl, der während seiner Zeit als Vorsitzender fast alle Fäden in seiner Hand behielt, hat schon vor geraumer Zeit angefangen, den Abteilungen mehr Selbstständigkeit zu geben. Für eine der schwierigsten Aufgaben, die Koordination der 18 Fußballmannschaften des TuS, hat der Noch-Vorsitzende schon einen Nachfolger gefunden: Peter Winkler. "Den bereite ich seit einigen Wochen darauf vor", berichtet Meidl.
Um den Vereinsmitgliedern seinen Job noch schmackhafter zu machen, plädiert der gebürtige Sudetendeutsche außerdem dafür, "dass einige Vorstandsmitglieder ein Honorar bekommen". Schließlich bekommt doch jeder Übungsleiter Geld für seine Arbeit, sagt er. Und gerade der Vorstand muss sich ständig fortbilden, ob es um Rechts- oder Versicherungsfragen geht. "Außerdem braucht man viel Zeit für dieses Amt", berichtet der Vereinschef.
Doch trotz aller Probleme, von einer Krise des Vereins möchte Meidl allein schon wegen der vielen Erfolge des TuS Asbach nicht sprechen. Außerdem hat der 63-Jährige längst die Fäden im Hintergrund gezogen: "Ich habe schon einen Vorsitzenden in der Hinterhand. Der ist bereit und steht Gewehr bei Fuß." Auch der bisherige zweite Vorsitzende, Michael Wagner, hat sich schon bereit erklärt, für eine weitere Amtszeit anzutreten. Allein, was fehlt, ist noch ein geeigneter Schatzmeister, der das neue Dreigestirn des TuS Asbach komplettiert. Kurzfristig hatte Meidl auch schon die Zusage eines Aktiven - der ist dann zwei Wochen vor der Wahl abgesprungen, berichtet er.
Weiteren Platz gewünscht
Was der Vereinschef unbedingt verhindern will, ist der Gang zum Amtsgericht. Dort müsste der TuS einen Notvorstand beantragen, sollten sich die Mitglieder bei der außerordentlichen Sitzung am 13. Mai erneut auf keinen Vorsitzenden verständigen.
Doch so weit wird es nicht kommen - davon ist Meidl überzeugt. "Ich erhalte positive Signale aus dem Verein", sagt er etwas sybillinisch. Doch eigentlich, sagt Meidl, plagen den Verein ganz andere Probleme. "Ich hätte gerne einen zweiten Platz und eine Halle mit einer eigenen Tribüne, damit da auch Fußballturniere stattfinden können." Derzeit müssen die Asbacher immer nach Neustadt ausweichen, wenn sie größere Turniere austragen wollen. Mit Wohlwollen hat Meidl deshalb auch bei der Sportlerehrung während der Hauptversammlung die Zusage von Ortbürgermeister Helmut Reith (CDU) vernommen, dass ein zweiter Sportplatz nach wie vor ganz oben auf der Liste des Gemeindechefs steht.
Der Wunsch nach mehr Platz ist auch Ausdruck eines beträchtlichen Anstiegs der Mitgliederzahl seit dem Zeitpunkt, als Karl Meidl vor 24 Jahren die Geschicke des TuS in seine Hände nahm. 500 Aktive zählte der Verein damals und war fast ausschließlich mit Fußballern bestückt. Heute bietet der TuS ein breites Angebot von Sportarten und hat sich vor allem in die Breite weiter entwickelt. Nicht zuletzt auch ein Verdienst von Meidl, der zwar aus dem Fußball-Bereich kommt, aber immer die Belange des Turn- und Sportvereins im Auge behielt.
Der 63-Jährige hat auch einige Spitzensportler in den Westerwald gebracht, etwa als er ein Spiel der Damen-Fußballbundesliga für die Westerwald-Gemeinde "einkaufte" und dem Mädchenfußball eine Renaissance bescherte. Besonders beeindruckt hat Karl Meidl, als er zusammen mit seinen Sportskameraden am 3. Oktober 1990 im Osten weilte und "mit wildfremden Menschen in Thüringen die deutsche Einheit" feierte.
"Bindung ist schwächer"
Mit einiger Wehmut denkt er an die "Spiele ohne Grenzen"-Feste auf dem Marktplatz in den 80er Jahren zurück. "Das war ein Renner", schwärmt er. Zwar war der Zusammenhalt schon immer gut, sagt der Sportfan. Doch: "Die Bindung an den Verein ist schwächer geworden. Die Zahl der inaktiven Mitglieder ist rückläufig."
Deshalb sieht der langjährige Vereinschef die wichtigste Aufgabe seines Nachfolgers darin, "die TuS-Familie zusammen zu halten". Eines dürfe aber auf keinen Fall passieren: dass sich jede Abteilung wie ein eigener Verein fühlt. "Dafür muss man gute Kontakte pflegen, sonst stellen die sich stur", sagt Meidl über seine Westerwälder Vereinskameraden.
Dass er das nicht mehr bewältigen möchte, ist Meidl schon seit längerem klar. Als er vor 24 Jahren die Verantwortung für den Verein von seinem Vorgänger übernahm, lag dies auch daran, dass Josef Büllesbach die Vorbereitungen der 100-Jahr-Feier nicht mehr auf sich nehmen wollte. In zwei Jahren steht das 125-jährige Jubiläum an. "Die Vorbereitungen dafür möchte ich nicht mehr übernehmen." Christian Kunst